Barrierefreiheit in Nordhausen

Auch wenn „Inklusion“ vielen Menschen begrifflich zunächst recht abstrakt erscheinen mag, so können sich die meisten doch unter Barrierefreiheit recht konkret vorstellen, was damit gemeint ist. Dabei ist Barrierefreiheit doch untrennbar mit Inklusion verbunden. Doch es geht dabei nicht nur um den Rollstuhlfahrer, der vor einer vermeintlich unüberwindbaren Treppe steht, sondern viel mehr auch um „unsichtbare“ Barrieren für viele verschiedenen Menschen, die in ihrer sozialen Teilhabe behindert werden. Denken wir einmal an kulturelle Veranstaltungen, die auch der Gehörlose besuchen möchte, der Blinde, der sich auch gern im Internet über ein Bildungsangebot informieren wollte oder die Eltern, die den Antrag für ihr Kind zum Ferienfahrtzuschuss nicht ausfüllen können, weil sie das „Amtsdeutsch“ nicht verstehen. Dies sind nur einige Beispiele für Barrieren, die uns im Alltag nicht offensichtlich begegnen, obwohl sie da sind.

Als Netzwerk- und Koordinierungsstelle für Inklusion in Nordhausen möchten wir dazu beitragen, Barrieren zu erkennen und diese abzubauen. Darum möchten wir zunächst ein Verzeichnis anlegen, in dem barrierefreie bzw. barrierearme Einrichtungen und Veranstaltungen aus den Bereichen Bildung und Freizeit vorgestellt werden. Gern nehmen wir dazu Anregungen von Betroffenen oder Anbietern von Bildungs- und Freizeiteinrichtungen entgegen unter inklusion@jugensozialwerk.de.

Außerdem engagieren wir uns im Bereich Leichte und Einfache Sprache, bilden uns diesbezüglich fort und geben Anregungen sowie Vorschläge zur Umsetzung an unsere Partner weiter. Mehr Infos dazu finden Sie unter Inklusion: Wissenscenter und Schulungen unter dem Punkt Schulungsangebote „Bildung und Freizeit für ALLE“.

Bildung

Zugang zu (non)formaler Bildung

Bildung ist für uns ein wichtiges Thema und ein entscheidender Baustein für die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen im Laufe seines Lebens. Besonders Menschen mit Behinderungen oder deren Angehörige müssen oft viele Hürden nehmen und weit im Voraus planen, Informationen einholen, Hilfemittel organisieren, Anträge bei unterschiedlichsten Leistungsträgern stellen und nicht nur sprichwörtlich Barrieren überwinden, um die bestmöglichen Bildungschancen erhalten zu können.

Wir möchten einen kleinen Beitrag dazu leisten Bildungsangebote leichter zugänglicher zu machen, indem wir ein Verzeichnis zu barrierefreien / barrierearmen Angeboten in Nordhausen zusammenstellen, mit Anbietern von Bildungsangeboten sprechen und zur Barrierefreiheit aufklären. Dabei konzentrieren wir uns nicht nur auf die schulische Bildung im sogenannten ersten Bildungsweg, sondern auf Angebote, die neben bzw. nach der Regelschulzeit stattfinden.

Aber Informationen zu inklusiven Bildungschancen auf dem ersten Bildungsweg hat die Aktion Mensch für Sie, Pädagogen und Interessierte hier einmal vorgestellt: https://www.aktion-mensch.de/inklusion/bildung.html

Verzeichnis barrierefreie / barrierearme Freizeiteinrichtugen

Freizeit spielt in unser aller Leben eine wichtige Rolle. Eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung trägt entscheidend zur Entwicklung von Fähigkeiten und Talenten bei, dem Kennenlernen von Stärken und Schwächen, dem Knüpfen von neuen Kontakten bis hin zum Aufbau von Freundschaften und reduziert somit nicht nur den Stress des Alltags, sondern hilft uns langfristig Ressourcen und ein tragfähiges soziales Netz zu entwickeln, von dem wir bestenfalls ein Leben lang zehren können.

Freizeitangebote mit inklusivem Charakter können sehr vielfältig sein. Besonders im Hinblick auf die sich ändernden Interessen und Bedarfe im Laufe einer Erkrankung oder Beeinträchtigung, ändern sich auch die bevorzugten Freizeitaktivitäten und deren Zugangsvoraussetzungen. Oftmals ist aber auch mit relativ wenig Aufwand eine Beteiligung an „normalen“ Angeboten möglich, wenn man die Anbieter zu barrierefreien Zugängen informiert.

Denken wir einmal an einen gehbehinderten Jugendlichen, der wie seine Klassenkameraden gern an der Ferienfahrt ins Ausland mit dem Jugendclub teilnehmen möchte, das Mädchen mit Down-Syndrom, das gern in die Töpfer AG nach der Schule gehen will, der Rollstuhlfahrer, der beim Konzert dabei sein möchte oder den psychisch Erkrankten, der sich gern ehrenamtlich im Tierheim engagieren möchte, um zurück in den geregelten Alltag zu finden. Oftmals sind Hürden zur Teilhabe überwindbar, wenn man aufklärt und weiß, welche Hilfen wo zur Verfügung stehen.

Als kleinen Beitrag zum Thema barrierefreie Freizeitgestaltung möchten wir lokale Angebote und Einrichtungen in einem Verzeichnis darstellen, in dem wir ein Augenmerk auf Zugangsvoraussetzungen und Barrierefreiheit legen. Zudem arbeiten wir mit unserem Kooperationspartner HORIZONT e.V. daran, die dortige Freiwilligenagentur barrierefreier zu machen. Das bedeutet, mehr Menschen mit Beeinträchtigungen sollen ein Ehrenamt ausüben können, wenngleich auch ehrenamtliche Helfer für beeinträchtige Menschen vermittelt werden sollen.

Leichte Sprache

Leichte und Einfache Sprache finden im Rahmen der Barrierefreiheit immer mehr Bedeutung. Oft werden diese Begriffe synonym verwendet. Doch es handelt sich tatsächlich um zwei unterschiedliche Herangehensweisen unsere Sprache für verschiedene Beeinträchtigungen einfacher zu gestalten. Besonders Menschen mit Lernschwierigkeiten oder geistigen Beeinträchtigungen fällt es oftmals schwer, die „Alltagssprache“ oder das „Behördendeutsch“ vieler Ämter zu verstehen. Immer mehr Institutionen, Betriebe, Vereine und Behörden arbeiten nun daran, ihre Webseiten, Broschüren oder Formulare einfacher zu formulieren, damit jeder sie verstehen kann. Denn nicht immer ist jemand beim ersten Lesen zur Stelle, der beim „Übersetzen“ helfen kann und oft ist die Hemmschwelle der Betroffenen zu groß, selbst um Hilfe zu bitten.

Doch was bedeutet nun Leichte und Einfache Sprache? Die Bundeszentrale für politische Bildung hat folgenden Definitionsversuch unternommen:

 

„Leichte Sprache"

Erlaubt sind Satzellipsen, also unvollständige Sätze wie "Schlecht" statt "Das ist schlecht". Längere zusammengesetzte Namenwörter werden mit einem Bindestrich getrennt, etwa "Heim-Beirat" statt "Heimbeirat". Außerdem wird der Doppelpunkt gezielt als hinweisendes Signal eingesetzt:

"Benutzen Sie aktive Wörter.

Schlecht: Morgen wird der Heim-Beirat gewählt.

Gut: Morgen wählen wir den Heim-Beirat."

 

Einfache Sprache

Einfache Sprache ist komplexer. Auch schwierigere Begriffe werden benutzt:

"Die Staaten sind dafür verantwortlich, dass Behinderte an der Entwicklung von allen Gesetzen beteiligt sind, die sich mit den Rechten und Pflichten von Behinderten beschäftigen."

Auszüge aus: Mensch zuerst (Anm. 1); B. I. Tronbacke (Anm. 9).“

Quelle: https://www.bpb.de/apuz/179341/leichte-und-einfache-sprache-versuch-einer-definition

 

Sie möchten ein weiteres Beispiel für Leichte Sprache? Dann klicken Sie doch einfach auf dieser Webseite oben auf das Symbol „Leichte Sprache“. Dann finden Sie alle unsere Inhalte in Leichter Sprache. Wir selbst konzentrieren uns vorrangig in unseren Publikationen, Öffentlichkeitsmaterialien und Informationen auf die Übersetzung in „Leichte Sprache“, da sie weniger komplex und leichter verständlich ist.

 

Für „Leichte Sprache“ gibt es jedoch mehr Regeln zu beachten, als oben beispielhaft von der bpb angeführt. Zum Beispiel kann man sich Folgendes als Faustregel merken:

  • Jeder Satz sollte nicht mehr als acht Wörter beinhalten
  • Keine Nebensätze. Nur 1 Hauptsatz.
  • Die Zeitform ist immer Präsens.
  • Keine Fremd- und Fachwörter
  • Keine Abkürzungen
  • Vermeidung von Verneinungen
  • Keine hohen Zahlen und Prozentzahlen
  • Aktive Anrede des Lesenden
  • Schriftarten Arial, Calibri, Tahoma
  • Mindestschriftgröße 14
  • Jeder Satz eine neue Zeile
  • Verwendung von mehr Bildern und Piktogrammen

 

Auch die Aktion Mensch bietet viele relevante Informationen zu diesem Thema unter

https://www.aktion-mensch.de/leichte-sprache

 

Möchten Sie mehr über Leichte Sprache erfahren? Dann nutzen Sie doch unser kostenfreies Schulungsangebot. Wir beraten mit Ihnen, welchen Schulungsbedarf Sie haben und stellen gemeinsam einen Workshop zusammen, um Sie und Ihre Mitarbeitenden bzgl. Leichter Sprache zu schulen.

Genauere Informationen zu diesen und weiteren Workshopinhalten finden Sie im Menüpunkt Schulungsangebote „Bildung und Freizeit für ALLE“ im Unterpunkt „Workshops für Incluencer“.